„Irgendwie ist in diesem Jahr alles anders“

Digitale Andacht mit Diakoniedirektor Dr. Martin Hamburger. Die Reihe unserer Online-Andachten gibt Halt und Mut in dieser schweren Zeit der Corona-Pandemie.

„Irgendwie ist in diesem Jahr alles anders.“

Vielleicht haben Sie, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diakonie Wuppertal, diesen Satz in den letzten Wochen schon gehört, oder auch selbst gesagt. Für uns alle ist der berufliche wie private Alltag umgekrempelt worden, und in dem ein oder anderen Bereich stellt sich schon eine Krisenroutine ein. Wenn ich die eigenen vier Wände verlasse, ist Maskentragen – oder wie es amtlich korrekt heißt – Mund-Nasen-Schutz, kurz MNS – nicht mehr den Karnevalswochen in Venedig oder in Köln vorbehalten, sondern Alltag in Wuppertal. Keinen wundert‘s mehr.

„Irgendwie ist in diesem Jahr alles anders“, das betrifft auch die Planungen für die schönsten Wochen des Jahres, den Urlaub. „Was machen Sie denn in diesem Sommer“, so fragen wir uns gegenseitig. Und dann auch noch die Ungewissheit, wie geht es im Herbst und Winter weiter? Normalität wie bis Mitte März 2020, wann wird es die wieder geben? Manche Pessimisten sagen sogar: Nie mehr.

„Irgendwie ist in diesem Jahr alles anders“ – im Blick auf Pfingsten stimmt der Satz nicht, denn Pfingsten ist und bleibt Pfingsten. Im Gegenteil: vielleicht entdecken wir gerade Pfingsten 2020 erstmalig, welche Bedeutung dieses, für viele nicht so leicht zu verstehende, Fest hat. Weihnachten ist klar: Jesu Geburt; Ostern auch: Jesus lebt; aber Pfingsten: Ausgießung des Heiligen Geistes. Was ist das denn? Heiliger Geist? Keine Angst, gemeint ist kein frommes Gespenst, sondern eine Wirklichkeit Gottes, die uns erreicht. Unsichtbar, nicht zu packen, ja das ist der Heilige Geist, aber trotzdem real: Wie der Wind, den wir auch nicht sehen können, aber seine Wirkung am Laub der Bäume, an der Berührung im Gesicht spüren. Keiner würde sagen, Wind und Sturm sind nur eine Einbildung, die gibt es gar nicht. Einem solchen Menschen würden wir die Folgen bis hin zu vom Sturm umgeknickten Bäumen so lange zeigen, bis er es aufgibt, die Existenz des Windes zu bestreiten.

Und so geht es mir persönlich mit dem Heiligen Geist. Jedem, der ihn bestreitet, stelle ich die Auswirkungen seines Wirkens vor Augen: Dass es Liebe in unserer Welt gibt, dass ich tief in meinem Herzen spüre, Gott ist bei mir, das kann mir keiner widerlegen. Dass ich Hoffnung habe für die Zukunft unserer Erde, für die Zukunft der Menschen, für ein friedliches Miteinander, dass die Pessimisten eben nicht die Oberhand gewinnen, das alles ist Wirkung des Heiligen Geistes.
Deshalb feiere ich auch 2020 Pfingsten, unabhängig davon, ob es diesmal im Autokino oder mit MNS und 2 Meter Abstand in der Kirche ist.

Ihr Martin Hamburger